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Inzlingen - Lebenswertes Inzlingen vor den toren Basels
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Jahresrückblick des Bürgermeisters

Artikel vom 14.01.2010

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich möchte die gute Tradition fortsetzen und zum Jahresbeginn an dieser Stelle in komprimierter Form Einiges ansprechen, was die vergangenen 365 Tage gebracht haben, und Ihnen gleichzeitig einen Ausblick auf das neue Jahr geben.

Sie persönlich waren 2009 ganz besonders gefordert, indem Sie dreimal an die Wahlurnen gerufen wurden. Erfreulicherweise hat sich jedes Mal eine gute Wahlbeteiligung ergeben. Das zeugt davon, dass sich viele auch ihrer staatsbürgerlichen Pflichten bewusst sind und nicht nur Rechte in Anspruch nehmen.

Auf Gemeindeebene können wir durchaus von einer Zäsur sprechen. So ist mit Erich Hildebrand nach 24 Jahren ein „Lotse von Bord gegangen“, jedoch nicht, um ein „sinkendes Gemeindeschiff“ zu verlassen. Ganz im Gegenteil – welche Verdienste er sich um unser Dorf erworben hat, kam in einer würdigen Verabschiedungsfeier mehrfach und nachhaltig zum Ausdruck. Zu Recht hat der Gemeinderat das unermüdliche Wirken von Erich Hildebrand zum Wohle seiner Heimatgemeinde mit der Ernennung zum Ehrenbürger honoriert.

Das war jedoch nicht die einzige personelle Veränderung innerhalb der Gemeindeverwaltung. Altershalber sind Werkhofleiter Bernd Birkenmeier, Schulhausmeister und Hallenwart Leonhard Müller sowie die Rathausmitarbeiterin Christel Harani ausgeschieden.

Allen vier gelten für die geleistete Arbeit und ihr Engagement ein herzliches Dankeschön und die besten Wünsche für den wohlverdienten neuen Lebensabschnitt.

Im Gemeinderat gab es ebenfalls einen größeren Einschnitt. Immerhin haben 7 neue Gesichter am Sitzungstisch Platz genommen. Erfreulicherweise haben sich am 7.Juni etliche Bewerber zur Wahl gestellt. Danke allen, die bereit waren und sind, sich für unsere Gemeinde zu engagieren.

Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle nochmals den ausgeschiedenen Mitgliedern, die über viele Jahre hinweg entscheidend das Gemeindegeschehen sowie die Entwicklung des Dorfes mitgestaltet und dafür trotz starker beruflicher Beanspruchung auf viele Stunden Freizeit verzichtet haben. Sicher ist ihnen während ihrer Amtszeit manche Entscheidung nicht leicht gefallen. Wie in einer Demokratie üblich, mussten Meinungsverschiedenheiten ausgetragen und Kritik hingenommen werden. Doch unter dem Strich können die „alten“ Gemeinderäte positive Bilanz ziehen. Dank vertrauensvoller Zusammenarbeit, gegenseitiger Achtung und finanziellem Augenmaß sind einige große Projekte für Inzlingen verwirklicht worden.

Zum Schluss ihrer Ära ist es gelungen, das Thema „Gartenweg“ zu einem guten Abschluss zu bringen. 15 weitere baureife Grundstücke entstanden – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch am Ortsrand. Die gesamten Erschließungsbeiträge sind mittlerweile abgerechnet, wobei die umlegungsfähigen Kosten erheblich unter den geschätzten Beträgen und Ausschreibungsergebnissen lagen, sicher zur Freude der Anlieger.

Ebenfalls positiv vermerkt werden kann, dass es gelungen ist, dem Metallbaubetrieb Piram einen Neubau am Ortseingang zu ermöglichen, womit im April begonnen wurde. Es ist lobenswert, dass junge Unternehmer in wirtschaftlich schwieriger Zeit bereit sind, erhebliche Summen zu investieren, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.

Auch die Gemeinde hat sich aufgrund des Konjunkturpaketes des Bundes entschlossen, im Haushalt zunächst nicht vorgesehene Mittel einzusetzen für bauliche, energiesparende Verbesserungen an Erstelhalle, Buttenberg-Schule und Wasserschloss. Im Übrigen hat sie in den vergangenen Jahren erheblich investiert, um den Energieverbrauch in ihren Gebäuden deutlich zu reduzieren. Sie wird auch in Zukunft alles daransetzen, noch vorhandene Einsparpotenziale zu nutzen. Das Wasserschloss erfuhr zudem eine Aufwertung, indem der Bürgersaal mit neuem Parkettboden sowie Ornamentmalerei ein neues Gesicht erhielt und die „Reichensteiner Stube“ des Restaurants vorbildlich renoviert wurde.

Ansonsten waren die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Die Entwicklung ist ungewiss. Es werden sehr wahrscheinlich einige schwierige Haushaltsjahre auf die Gemeinde zukommen. Aufgrund der bisherigen vorausschauenden, maßvollen Haushaltspolitik – wofür Gemeinderat und Gemeindeverwaltung ein Lob verdient haben – kann sie jedoch auf Rücklagen zurückgreifen. Auch in Zukunft gilt es, mit dem notwendigen Augenmaß zu wirtschaften.

Im September wurde der Auftrag für das Regenüberlaufbecken Zoll vergeben, der Spatenstich fand noch im selben Monat statt. Positive Nebeneffekte dieser aufwändigen Baumaßnahme aufgrund gesetzlicher Vorgaben zum Umweltschutz sind ein neues Buswartehaus, ein Fahrradunterstand sowie 12 Pkw-Stellplätze in der Mitte des Wendeplatzes. Fraglich ist noch, was mit dem ehemaligen Zollgebäude geschehen wird. Dem Gemeinderat ist es ein besonderes Anliegen, dass der Orteingang ansprechend gestaltet wird.

Ansonsten hielt sich die Bautätigkeit im Dorf zuletzt sehr in Grenzen. Innerorts sind allerdings noch etliche Bauplätze in Privatbesitz vorhanden.

Um es nochmals zu erwähnen – für die Landesregierung hat das Nutzen innerörtlicher Baulücken Priorität vor neuen Baugebieten am Ortsrand. Dieser Prämisse musste auch der im April beschlossene neue Flächennutzungsplan Rechnung tragen. Er ist Grundlage für eine mögliche bauliche Entwicklung der Gemeinde in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Neben den erwähnten Baulücken ist Reservegelände vorhanden. Diese Flächen liegen entlang der Straße Blumenacker bis zum Maienbühlweg, im Bereich Lichsen, an der Schlossstraße zwischen Buttenbergweg und Autohaus Glatt sowie in der Neumatt. Weitere Voraussetzung für eine Bebauung der genannten Flächen ist jedoch, dass für einen abgegrenzten Bereich ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der konkrete Vorgaben für die im Plangebiet gelegenen Grundstücke enthält. Dies gehört zur so genannten Planungshoheit der Gemeinde.

Es gilt jedoch, nicht nur die Baumöglichkeiten im Auge zu behalten. Ein wichtiges Kriterium für eine attraktive Wohngemeinde ist auch eine ausreichende Infrastruktur, sei es die Versorgung mit Lebensmitteln sowie sonstigen Waren, Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, ebenso der öffentliche Personennahverkehr. Diesem kommt die neue attraktive Haltestelle an der Grenze zugute. Auch die Leistungen der Buttenberg-Schule mit ihren Angeboten Kernzeitbetreuung, Lernwerkstatt und Montessori-Kurse sind ein wertvoller Beitrag zur Infrastruktur. Ein wichtiges Anliegen muss bleiben, den Standard zu erhalten und möglichst zu verbessern. In diesem Zusammenhang sollte sich jeder Einzelne fragen, inwieweit er die vorhandenen Angebote nutzt und damit zu deren Erhalt beiträgt.

Eine weitere große Aufgabe der kommenden Jahre in Zusammenhang mit der Infrastruktur ist die Kinderbetreuung. Als nächstes gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die ab 2013 geltenden gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden können, sowohl in räumlicher als auch personeller Hinsicht. Damit wird eine erhebliche finanzielle Belastung der Gemeinde verbunden sein. Ob und wie das Ganze finanziert werden kann, ist insbesondere nach den neuesten Entwicklungen und Diskussionen auf Bundes- und Landesebene noch offen. Nächster Schritt muss trotzdem sein, die notwendigen Planungen voranzubringen, um auf deren Grundlage die weiteren Entscheidungen fach- und sachgerecht treffen zu können, damit Inzlingen auch in Zukunft eine familienfreundliche Gemeinde ist.

Lobend erwähnt sei an dieser Stelle, was bisher im Bereich Kinderbetreuung mit großem ehrenamtlichem Einsatz geleistet wurde. Als ein Beispiel nenne ich neben der Kleinkinderbetreuung und dem betreuten Mittagstisch für Kindergarten- und Schulkinder das vom Verein Mäuslehäusle im Sommer erstmals mit enormem Aufwand organisierte Ferienangebot, welches dank vieler Mitwirkender und Helfer auf Anhieb zu einem vollen Erfolg wurde.

Damit sind wir erneut beim Thema Ehrenamt. Es ist immer wieder beachtlich, was mit Engagement und Gemeinsinn auf die Beine gestellt wird. Ein gutes Beispiel dafür war im vergangenen Jahr der Landeswandertag, den der Turnverein im Auftrag des Badischen Turnerbundes ausrichtete. Viele fleißige und umsichtige Helfer, nicht nur aus den eigenen Reihen sondern aus der gesamten Einwohnerschaft, haben diese Großveranstaltung mit über 800 Gästen zu einer besonderen Werbung für Inzlingen mit seinem gut ausgebauten und gepflegten Wegenetz werden lassen. Das Wetter hat seinen Teil dazu beigetragen. Dass die Gäste voll des Lobes waren, ist auch unserer schönen Landschaft zu verdanken. Wir sollten uns bewusst sein, dass deren Pflege mit großem Aufwand verbunden ist, der von unseren haupt- und nebenberuflichen Landwirten – von letzteren gibt es Gott sei Dank noch einige – erbracht wird. Nehmen wir nur einmal die Waldbewirtschaftung. Welche Arbeit dahinter steckt, davon konnten Sie sich beim Waidbuebefest ein Bild verschaffen.

Wir hoffen natürlich, dass ein vergleichsweise kleiner Wandertag in diesem Jahr – unser seit Jahren auch bei den schweizerischen und deutschen Nachbarn beliebte Banntag – wieder zu einem schönen Ereignis insbesondere für die Inzlinger Bevölkerung wird.

Für vorbildliches Ehrenamt ließen sich viele weitere Beispiele anführen, die unser Lob und unseren Dank verdienen. Ohne die Leistungen anderer, oft im Stillen wertvolle Arbeit leistender Menschen schmälern zu wollen, möchte ich noch einzelne nennen.

Eine beachtliche Aktivität ist die seit Jahrzehnten jährlich stattfindende Sternsingeraktion, bei der es den Kindern und Jugendlichen mit ihren Helferinnen und Helfern stets gelang, namhafte Spenden zu erzielen, die verschiedenen gemeinnützigen Zwecken zugute kamen, in den letzten Jahren stets Kinderprojekten in ärmeren Ländern. Ein herzliches Dankeschön allen, die bisher an diesen Aktionen mitwirkten und sie unterstützten. Wir freuen uns, wenn dieser schöne Brauch fester Bestandteil im Dorfgeschehen bleibt. An dieser Stelle auch noch einmal vielen Dank unserer Einwohnerschaft für die großzügigen Geld- und Sachspenden das ganze Jahr hindurch.

Anna Mohr war seit 1987, dem Jahr der Gründung des DRK-Ortsvereins Inzlingen, an vorderster Stelle mit besonderem Herzblut in der Bereitschaft aktiv, ehe sie im Dezember ihre Tätigkeit beendete. Bei den Blutspendeaktionen im Landkreis wird sie sich weiterhin in vorbildlicher Weise als Helferin engagieren.

Eine Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr hat nach intensivem Training mit Bravour das Goldene Leistungsabzeichen errungen und damit die unbedingte Bereitschaft bewiesen, bestens gerüstet zu sein beim Einsatz für die Mitmenschen. Nicht als Dankeschön für diese Leistung, eher als eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die gesamte Mannschaft konnte Erich Hildebrand den seit geraumer Zeit gewünschten neuen Mannschaftstransportwagen übergeben. Eine seiner letzten Amtshandlungen, die er als 40 Jahre aktiver und verdienter Feuerwehrmann gerne wahrnahm. Es handelt sich bei dem Fahrzeug um einen dringend nötigen Ersatz für den fast 30 Jahre alten Vorgänger.

Nicht im Rettungsdienst, dafür – nicht minder wertvoll – auf kultureller Ebene und im sozialen Bereich ist Berthold Josko seit vielen Jahren sehr aktiv. Für seine Verdienste um den Männerchor, als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates und Vorstandsmitglied der Katholischen Sozialstation Lörrach erhielt er die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

Auch im musikalischen / kirchlichen Bereich engagieren sich seit einiger Zeit die Orgelfreunde und lassen sich immer wieder Neues einfallen, um Spenden für die neue Orgel in der Katholischen Kirche zu erhalten.

Ebenfalls der Musik verschrieben haben sich die Schlösslisymphoniker, die am kommenden Freitag und Samstag ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Sie tragen seit 1999, nachdem sich im Jahr zuvor das Narrenkomitee aufgelöst hat, wesentlich dazu bei, dass während der närrischen Tage auch in Inzlingen Fasnächtliches geboten wird, zum Beispiel der Kinderumzug am Rosenmontag oder die im weiteren Umkreis bekannten und beliebten Veranstaltungen „Gugge uff de Gass“ bzw. „Guggeball“.

Ebenfalls auf 20 Jahre – unter einem Dach in der Alten Schule – konnten Aquarianer-Team, Dännle-Häxe und Schlurbi-Clique im Mai zurückblicken und bei einem Tag der offenen Tür das Spektrum ihrer Aktivitäten präsen­tieren.

Wir brauchen in unserer schnelllebigen, oftmals hektischen Zeit neben dem Arbeits- / Berufsalltag mit seinen Belastungen einen Ausgleich, zum Beispiel sportliche und sonstige Aktivitäten oder eben Kulturelles als Erholung für Körper und Geist, um die uns gestellten Aufgaben erfüllen zu können. In diesem Zusammenhang gilt mein besonderer Dank unseren Vereinen und Institutionen für das große Engagement bei ihren ansprechenden und breit gefächerten Angeboten, aber auch für ihre vorbildliche Jugendarbeit.

Ich glaube, wir können festhalten, dass Inzlingen ein liebens- und lebenswerter Ort ist, mit allem was es dazu braucht. Einer für seine Größe beachtenswerter Infrastruktur mit sehr vielen Angeboten für Jung und Alt, einem guten Miteinander in der Bevölkerung und einem großen Erholungswert mitten im Dreiländereck mit all seinen Vorteilen. Damit dies auch künftig noch so ist, gilt es im vor uns liegenden Jahr und in Zukunft, Erreichtes zu erhalten, Veränderungen aufzugreifen und neue Aufgaben anzugehen.

Der französische Schriftsteller und Pilot Antoine de Saint-Exupéry (1900 – 1944) schrieb einmal: „Mann kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen.“

Dass uns dies mit Erfolg und positiven Ergebnissen gelingt, wünsche ich allen von Herzen, in erster Linie aber Gesundheit, Zufriedenheit, Optimismus und Humor sowie manchmal etwas Geduld, eine Tugend, die im Alltag zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird.

Ihr Marco Muchenberger
Bürgermeister

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